Berichte

33. Delegiertenversammlung von BirdLife Aargau in Niederrohrdorf am letzten Samstag

Wieder haben sich an die 150 Delegierte und Gäste zur jährlichen Versammlung getroffen. Diesmal fand das Programm in Niederrohrdorf statt. Ein für den Naturschutz nicht ganz unbedeutender Ort. Hier lebte Erich Kessler, ein sehr engagierter Natur- und Umweltfachmann, nach dem mit dem sogenannten Kesslerindex ein wichtiges Instrument benannt ist. Dieser Index umfasst keine Börsenkottierten Unternehmen – seine Werte beziehen sich auf unsere wichtigsten Lebensgrundlagen: den Zustand der Natur. Gemessen wird dieser am Artenreichtum von vier ausgewählten Gruppen, den Vögeln, Schmetterlingen, Schnecken und Pflanzen.

Niederrohrdorf, ein Paradebeispiel

Traditionell findet am Tag der Delegiertenversammlung im Veranstaltungsort eine Exkursion statt. Hier zeigte der ansässige Verein den rund 80 Exkursionsteilnehmenden einen Teil seiner Arbeit. In Niederrohrdorf gehören die diversen geschützten Moosgebiete zu den wichtigsten Einsatzgebieten der vielen engagierten, ehrenamtlichen Vereinsmitglieder und Helfenden. Das ist aber längst nicht alles, was der Verein für das Dorf, seine Natur und die dort lebenden Menschen leistet.  Maria Gschwend, die Präsidentin des Natur- und Vogelschutzvereins Niederrohrdorf (NVN), betonte in ihrer Ansprache zur Eröffnung der Delegiertenversammlung, wie sehr sie auf die gute Zusammenarbeit aller am Natur- und Umweltschutz wirkenden Kräfte angewiesen ist. „Wir danken allen Beteiligten von der Gemeinde, vom Forst und in der Jagd“, sagte sie „und wir freuen uns über jeden Einzelnen aus der Bevölkerung, der uns bei unseren Arbeitseinsätzen unterstützt.“  Den Dank erhielt der Verein zurück – ausgesprochen vom Gemeindeammann Gregor Naef, der die Delegierten ebenfalls offiziell begrüsste.

Gut vernetzt bis vor die Haustüren

Dass BirdLife Aargau ein gut vernetzter Verband ist, der nicht nur auf Gemeindestufe durch seine Mitglieder bis in die Gärten, gemeinsam mit den Bauämtern bei den öffentlichen Grünzonen und in Zusammenarbeit mit den Bauern und den Förstern im Kulturland Wirkung entfalten kann, zeigte sich auch am Interesse der Besucher. Vor Ort waren Norbert Kräuchi, Leiter Abteilung Landschaft und Gewässer, Simon Egger, Leiter Sektion Natur und Landschaft und Alain Morier, Leiter Abteilung Wald. Auch vertreten war “Jagd Aargau“ mit Thomas Hüssy, Pro natura Aargau durch den Präsidenten Thomas Urfer sowie der Schweizerische Dachverband BirdLife Schweiz mit Vertretern der Geschäftsstelle sowie der neuen Präsidentin  Suzanne Oberer-Kundert.

Die Natur braucht mehr Geld

Die Versammlung wurde denn auch durch selbstbewusste Auftritte des Präsidenten Luc van Loon und der Geschäftsführerin Kathrin Hochuli geprägt. Es konnte wieder auf ein aktives und erfolgreiches Jahr zurückgeblickt werden. Trotzdem drückte die Geschäftsführerin in ihren Ausführungen eine grosse Sorge aus und rief die Mitglieder dazu auf, für einmal auch politisch aktiv zu werden: „BirdLife Aargau fordert den Kanton dazu auf, seine Sparpolitik im Zusammenhang mit der Natur zu überdenken. Die Natur braucht mehr, nicht weniger Geld! Um die Artenvielfalt zu erhalten, sind enorme Anstrengungen notwendig. Das kostet neben einem immensen Aufgebot an freiwilligen Helfenden, die wir ja alle mit unseren rund 15‘000 Mitgliedern und vielen Tausend ehrenamtlich geleisteten Stunden immer wieder bereit sind zu leisten, konkrete, finanzielle Mittel. Der Kesslerindex zeigt zwar eine deutliche Verbesserung der Vielfalt gegenüber seinen Anfängen in den 1990er Jahren. Aber lassen wir uns nicht täuschen! Dies verdanken wir vor allem der Zunahme an Arten im Wald. Die Werte in der Landwirtschaft stagnieren bestenfalls, im Siedlungsraum sind sie nach wie vor abnehmend.“

Föderalistisch und demokratisch – ein starker Bund

BirdLife Aargau ist in 123 lokalen Vereinen organisiert. In über 80% der Gemeinden sind Mitglieder dieser Vereine aktiv. Die gemeinsame Strategie wird von einem fachlich auf hohem Niveau arbeitenden Vorstand erarbeitet. Die Ausrichtung und Tätigkeit des Verbandes wird aber jährlich aufs Neue durch die politischen Prozesse an der Versammlung von den Delegierten durch Abstimmung gutgeheissen. – Ein starkes Stück Demokratie in der Naturschutzarbeit für unseren Kanton!

Mit vereinten Kräften die Hecke in Vogelrüti gepflegt

Rund ein Dutzend Mitglieder des Natur- und Vogelschutzvereins machte sich an die Pflege der Hecke in Vogelrüti.

Hecken sind wichtig für die Biodiversität. Sie bieten vielfältige Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und bilden Verbindungsstrukturen für wandernde Tiere. Verschiedenen Vogelarten bieten sie Nistmöglichkeiten. Einzelbäume in Hecken dienen Greifvögeln als Sitzwarte. Von dort starten sie zu ihren Beuteflügen. Kleintiere wie der Feldhase und der Igel finden in einer Hecke Deckung und Unterschlupf. Diverse Insekten finden in der Hecke ideale Fortpflanzungs- und Überwinterungsmöglichkeiten.

Der Schnitt der Hecke in Vogelrüti erfolgte im März, bevor die Vögel mit dem Nisten beginnen. Bewusst wartete man mit dem Schnitt zu, damit während der Winterzeit die Beeren den Vögeln als Winternahrung dienten.

Nach zwei Stunden vollem Einsatz mit Rebschere, Motorsäge, Gertel und Fuchsschwanz war der Schnitt vollbracht und das Material wurde an die mit dem Förster abgemachte Stelle abtransportiert. Mit einigem Material wurden in der Hecke Asthaufen gebildet, welche als Kleinstruktur diversen Kleintieren zum Lebensraum dienen.

Zum Abschluss wurde die ganze Gruppe von Familie Märki mit Speis und Trank versorgt.

Alle Nistkästen im Niederrohrdorfer Wald sind wieder bezugsbereit

Es ist bereits Tradition: Der Natur- und Vogelschutzverein machte sich unter der Leitung von Beatrice und Pierre Bühler Ende Oktober auf zur jährlichen Nistkastenreinigung. Anschliessend traf man sich zum gemütlichen Beisammensein bei der Waldhütte, wo Käthi Kessler die Helfer und Helferinnen wiederum mit einer feinen Kürbissuppe und Kuchen verwöhnte.

Dieses Jahr nahmen 13 Erwachsene und drei Kinder teil. Wiederum wurden in etlichen Nistkästen Nester von Meisen festgestellt. Leider fand man auch Skelette von Vögeln in den Nistkästen. Diese Vögel kamen nicht zum Ausfliegen. Es können verschiedene Gründe dazu führen: Die Eltern verunglücken und bringen kein Futter mehr. Das Futter ist wegen Schlechtwetters zu knapp und reicht nicht für alle Jungtiere. Es kann aber auch sein, dass die Nestlinge von Parasiten befallen werden, erkranken und verenden.

Gerade um den letzteren Fall möglichst zu verhindern, ist eine gründliche Reinigung der Nistkästen wichtig.

Die Nistkästen im Rotrisch wurden zwei Wochen später von 8 Erwachsenen und drei Kindern kontrolliert. Auch da wurden tote Vögel in den Nestern gefunden. Als die Naturfreunde auf dem Heimweg bei der Bushaltestelle Fohrhölzli vorbeikamen, stellten sie mit Freude fest, dass deren Vorschlag einer Amphibienleiter umgesetzt wurde. Die Frösche und Lurche können so durch den Bach sicher von einer zur anderen Strassenseite wandern.